Rückblick
...
Borna gründet mit vier katholischen Pfarreien eine neue Pfarrei
Strukturreform im Bistum Dresden-Meißen löst Debatte um die Pfarreisitze aus

Borna/Geithain. Dietrich Oettler wird in der Perspektive noch mehr als bisher im Auto sitzen. Der 42-jährige promovierte Theologe ist seit fünf Jahren Pfarrer der katholischen Gemeinde Borna. Damit ist er auch für die insgesamt 1.050 Gemeindemitglieder in Deutzen, Frohburg, Kitzscher, Kohren-Sahlis und Neukieritzsch zuständig. Und es werden mehr. Grund für die anstehende Erweiterung seines Tätigkeitsbereichs ist eine Strukturreform im Bistum Dresden-Meißen, die bis zum Jahr 2020 abgeschlossen sein soll. Das bedeutet, dass aus den aktuell fünf Pfarreien Borna, Geithain - Bad Lausick, Limbach-Oberfrohna, Mittweida und Wechselburg eine neue Pfarrei gegründet wird, die deren Rechtsnachfolge antritt, sagt Pfarrer Oettler.

Es handle sich um eine unvermeidbare Konsequenz aus der demografischen Entwicklung. Nach wie vor gebe es "Arbeitsmigration in Richtung Westen". Zudem machten sich die geburtenschwachen Jahrgänge bemerkbar, so dass die Zahl der Gemeindemitglieder stagniere. Immerhin, so Oettler weiter, verzeichne die Bornaer Gemeinde auch Zugänge. Konkret von 20 bis 30 polnischen Arbeitern, mit denen der polnische Seelsorger Edward Wasowicz mittlerweile jeden Sonnabend eine katholische Messe in ihrer Heimatsprache feiert.

Bei der bevorstehenden Strukturreform gelte die Maxime, die der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, in Bezug auf das Verhältnis von Zentrale und Fläche ausgegeben hat: So viel wie möglich vor Ort und so viel wie nötig in der Zentrale. Es müsse dabei immer die Frage gestellt werden, "wozu die Kirche da ist", macht Oettler deutlich. Letztlich werde die Struktur von geistlichen Fragen bestimmt, "die Struktur folgt also dem Leben".

Innerhalb dieser neuen Pfarrei sei Wechselburg zentral, das sowohl geografisch als auch geistlich im Zentrum des künftigen Pfarrei-Gebietes liegt, sagt der Bornaer Pfarrer mit Blick auf das Benediktinerkloster in Wechselburg. Noch diskutiert werde, wo die künftigen drei Pfarrer der neuen Pfarrei ihren Sitz haben. Dass Borna Wohnort eines Geistlichen bleibt, sei denkbar, so Oettler weiter.

Der Pfarrer, der seit einem Jahr auch für den Bereich Geithain - Bad Lausick verantwortlich ist, wird auf absehbare Zeit dabei von Thomas Wiesner unterstützt, dem jungen Kaplan, der noch drei, vier Jahre in Borna sein wird.

(Text: Kursive Änderungen, Leipziger Volkszeitung, 02.12.2017)

Kommentar: Herausforderungen für die Kirchen
von Nikos Natsidis

Warum soll es der einen großen Konfession besser gehen als der anderen. Wer die Entwicklung kirchlicher Strukturen auf dem flachen Lande in den Blick nimmt, dem wird klar, dass sowohl Lutheraner als auch Katholiken vor wesentlichen Veränderungen stehen. Nicht in Sachen Verkündigungsauftrag. Der ist seit zwei Jahrtausenden klar. Wohl aber in der Frage, wie die Botschaft zu den Menschen kommt.

Das werden die mehr als 1.000 Mitglieder der katholischen Gemeinde in Borna ab 2020 ebenso zu spüren bekommen wie die in Bad Lausick und Geithain. Wenn aus fünf Pfarreien eine große wird, können auch die in der Perspektive nur noch drei Pfarrer nicht mehr leisten, was bisher Usus ist. Das heißt konkret, dass es nicht immer und überall Gottesdienste geben wird. Und es hat womöglich auch zur Folge, dass sich die seelsorgerische Arbeit nicht mehr auf dem derzeitigen Niveau halten lässt. Und für die Geistlichen bedeutet es, noch mehr Zeit im Auto zu verbringen, um jetzt hier und nachher da zu sein - in einem nennenswert größeren Gebiet als gegenwärtig.

Das alles ist eine Folge des demografischen Wandels, unter dem die evangelische Landeskirche gleichermaßen zu leiden hat. Dort rechnen die Verantwortlichen einer Studie zufolge mit einer Halbierung der Kirchensteuerzahler bis zum Jahr 2040 - und mit einer entsprechenden Reduzierung des kirchlichen Personals.

Für die Kirchen eine enorme Herausforderung. Die sich wohl nur bestehen lässt, wenn sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.
Text: Nikos Natsidis, Leipziger Volkszeitung (30.11.2017)
Foto: Philipp Ramm
[zurück]