Rückblick
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Erfolgreiche Premiere - Lutherfest beginnt mit Theater

Borna (nn). Mit der Premiere des Theaterstücks "Luther und seine Bornaer" aus der Feder von Michael Potkownik wurde gestern Abend (Freitag, 30. August 2013) das dreitägige Bornaer Lutherfest eröffnet. Dabei standen mehr als 40 Laiendarsteller auf der Bühne. Bis Sonntagabend erwartet die Besucher ein Spektakel, bei dem der Reformator Martin Luther und sein Wirken speziell in Borna im Mittelpunkt stehen. Ausgangspunkt der Veranstaltung, hinter der die Stadt Borna und die evangelisch - lutherische Kirchgemeinde stehen, ist die historisch verbürgte Tatsache, dass Luther mindestens 13 Mal in der Stadtkirche am heutigen Martin-Luther-Platz gepredigt hat und die Stadt bereits zwei Jahre nach dem Wittenberger Thesenanschlag einen lutherischen Prediger suchte.

Heute Nachmittag werden die Teilnehmer des Lutherlaufs von Altenburg nach Borna auf dem Markt eintreffen. 18:00 Uhr beginnt dort ein Bikergottesdienst, bei dem Hunderte Motorradfahrer erwartet werden. Das Theaterstück wird 20:00 Uhr erneut gezeigt. Höhepunkte am Sonntag sind ein Festgottesdienst um 10:00 Uhr sowie ein Konzert der Sächsischen Bläserphilharmonie, die unter dem Titel "Hymnus" eine Choralfantasie spielt. Das abwechslungsreiche Bühnenprogramm und der Mittelaltermarkt dürften ebenfalls Magneten sein.
Text: Leipziger Volkszeitung (31.08.2013)
Foto: Thomas Kube

Eine Sternstunde für Borna
Götterdämmerung und Eurovisionsfanfare: Erfolgreiche Aufführung des Lutherstücks beim Lutherfest

Borna. So stand der Reformator Martin Luther in Borna noch nie im Mittelpunkt. Mit dem Lutherlauf, einem Bikergottesdienst und einem Festgottesdienst sowie evangelisch - lutherischen Choralfantasien gab es viele Höhepunkte bei einer Veranstaltung, die in der jüngsten Vergangenheit der Kreisstadt ohne Beispiel sein dürfte. Für Begeisterung sorgte am Freitag und Sonnabend (30./31. August 2013) das Theaterstück "Luther und seine Bornaer".

Die Bornaer haben viele Talente. Theaterspielen gehört auch dazu. Michael Potkownik hat ein ganz besonderes Talent: Der Mann kann ein Theaterstück verfassen, von dem sich nach den beiden Aufführungen sagen lässt, dass es viel zu schade wäre, wenn es bei diesen beiden Aufführungen bliebe. Denn was Hunderte von Besuchern am Freitagabend auf dem bestens gefüllten Lutherplatz vor der Stadtkirche sahen, war bestes Volkstheater - vom Inhalt über die Effekte bis hin zu den Darstellern. 43 Mitwirkende hatten seit Januar geprobt, und heraus kam eine dreiviertelstündige Aufführung, in der drastisch, derb und komisch die Geschichte vom Besuch des Reformators in Borna erzählt wird. Der kommt aus Altenburg nach Borna, wo er Gast seines Geleitmannes Michael von der Straßen (herrlich Thomas Claus, der seine Bühnenerfahrung auf der Leipziger Opernbühne nicht verheimlichen kann) ist und vor den Bornaern auf dem Markt predigen soll, was er bekanntlich mindestens 13 Mal auch gemacht hat. Die Bornaer Marktbesucher haben gerade das Stück einer Wandertruppe mit dem vielsagenden Titel "Wie der frische Wind aus Borna den Papst Hadrian und den Abt Simon von ihren Stühlen weht" gesehen und sind wütend auf ihre kirchliche Obrigkeit. Es wird viel gesungen, häufig das umgetextete ostpreußische Lied von den "Fünf wilden Schwänen". Es gibt Bezüge zur Gegenwart, etwa wenn ein Anzugträger zu den Klängen der Eurovisionsfanfare einen Geldkoffer über die Bühne schleppt oder Wagners Götterdämmerung eine Szene untermalt, in der der Papst an den Pranger gestellt wird. Schließlich predigt Luther (Rolf Schellig) seinen Bornaern, die durchaus nicht a priori mit dem Doktor aus Wittenberg einverstanden sind, der den Teufel mit dem Tintenfass besiegt hat. Am Ende hat sie der Reformator aber überzeugt.

Eine Aufführung mit viel Getöse, einer Pferdekutsche und jeder Menge Herzblut, für das die Darsteller (sehr gut Wanderprediger Heino Streller und die Narren Timo Johne und Claus Rammelberg, aber ebenso das "Volk") unzählige Proben hinter sich gebracht und die Kostüme in der Mehrzahl selbst hergestellt haben. Herausgekommen ist ein Stück, das zum Bestandteil der wenigen Kultur-/Kunstwerke werde sollte, in denen es um Borna geht. Die Mitwirkenden und Autor Potkownik erhielten jedenfalls kräftigen Premierenapplaus, und bereits am Freitagabend war damit klar, dass Superintendent Matthias Weismann mit seiner Erklärung bei der Eröffnung des Lutherfestes recht haben würde: Dass die Veranstaltung eine Sternstunde für Borna werden könnte. Zuvor hatte der sächsische Landesbischof Johannes Bohl die drei Lutherfesttage in Borna als hervorragenden Auftakt für die Feierlichkeiten anlässlich des 475-jährigen Bestehens der Sächsischen Landeskirche im nächsten Jahr bezeichnet.
Text: Nikos Natsidis, Leipziger Volkszeitung (02.09.2013)
Foto: Thomas Kube

Neues Lutherstück im Kopf
Autor Michael Potkownik plant Fortsetzung / Katholischer Pfarrer Dietrich Oettler kritisiert "Angriff auf den Papst"

Borna. Einen Tag nach dem Ende des Lutherfestes waren sich gestern (Montag, 2. September 2013) Kirchgemeinde wie Stadtverwaltung einig, dass die Veranstaltung ein großer Erfolg war. Der katholische Pfarrer Dietrich Oettler kritisierte Teile des Theaterstücks "Luther und seine Bornaer". Dessen Autor Michael Potkownik hat bereits Pläne für ein neues Stück. Das Fest war vorgestern mit einem Konzert der Sächsischen Bläserphilharmonie zu Ende gegangen.

Der Mann brennt regelrecht. Autor Potkownik hat jedenfalls bereits ganz konkrete Vorstellungen. "Ich habe schon ein neues Lutherstück im Kopf." Klar ist für den 63-jährigen einstigen E-Lok-Fahrer und späteren Operativtechnologen in Witznitz, der auch drei Jahre Wirtschafts-Wissenschaften an der damaligen Karl-Marx-Universität in Leipzig studiert hat, "dass es das bisherige Stück so nicht wieder geben wird". Mindestens eine Szene werde er komplett erneuern. Die Bilder mit viel Volk sollen dagegen Bestandteil eines neuen Stücks bleiben.

Die Idee zum Stück "Luther und seine Bornaer" stammt aus einer Vorlage, in der das Markttreiben vor der Kirche beschrieben wird. Fertig war das Stück dann im vorigen Jahr, wobei es während der Proben seit Jahresanfang immer wieder geändert und an den einzelnen Szenen gefeilt wurde. Potkownik freut sich, "dass es gelungen ist, eine Gruppe dazu zu befähigen, dass die Aufführung funktioniert hat".

Obwohl die beiden Aufführungen des Lutherstücks beim Publikum auf begeisterte Resonanz stießen, gibt es auch Kritik. Der Pfarrer der katholischen St. Joseph - Gemeinde, Dietrich Oettler, erklärte, das Stück enthalte Angriffe auf die katholische Kirche. Er bezog sich vor allem auf die Szene, in der Papst Hadrian VI. mit einer Flatulenz an den Pranger gestellt wird. Für Katholiken sei ein Angriff auf einen Papst im 16. Jahrhundert ebenso schmerzlich wie auf den Papst heute. Oettler: "Das ist wie ein Angriff auf uns selbst." Zudem sei eben Papst Hadrian VI. die falsche Zielscheibe für zur Lutherzeit durchaus berechtigte Kritik an der Kirche, erklärte der Geistliche weiter. Der damalige Pontifex maximus, der von 1522 bis 1523 und damit kaum anderthalb Jahre im Amt war, habe schon seinerzeit ein Schuldbekenntnis über den Zustand der Kirche abgegeben.

Dennoch, so Oettler, der den Text des Lutherstücks bereits vor der Aufführung kannte, seien die Bemühungen um die Ökumene in Borna damit nicht gestört. Im November werde es eine gemeinsame Beratung von Vertretern der katholischen und der evangelischen Gemeinde geben.

Autor Michael Potkownik reagierte prinzipiell positiv auf die Kritik. Es sei gut, wenn über das Stück diskutiert werde. Potkownik, der selbst an den Aufführungen des Lutherstücks mitwirkte und zudem Regie führte, hat auch ein Stück über Friedrich Schiller geschrieben, das unter dem Titel "Zwei Episoden aus Schillers Leben" im Juni in Kahnsdorf aufgeführt wurde. Und er hat eine weitere Idee. "Ich möchte ein Stück über die Grundsteinlegung der Kunigundenkirche schreiben." Darin soll auch Kaiser Barbarossa eine Rolle spielen.

Das Stück "Luther und seine Bornaer" hatte am Freitagabend auf dem Martin-Luther-Platz seine Premiere und erlebte am Sonnabend eine erfolgreiche Wiederholung. Daran haben 43 Darsteller mitgewirkt. Die Proben hatten im Januar begonnen.

Das Lutherfest war am Sonntag mit der Aufführung des "Hymnus" - lutherischen Choralfantasien - durch die Sächsische Bläserakademie in der Stadtkirche zu Ende gegangen.
Text: Nikos Natsidis, Leipziger Volkszeitung (03.09.2013)
Fotos: Thomas Kube


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Fotos: Bernd Schneider
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